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#COVID19 oder 56 Fragen für die Zwangspause

Krise! Seuche! Notstand! Planungsunsicherheit! Rezession! Zizek warnt im Spiegel gar vor einem perfekten Sturm, der auf Europa treffen könnte. Er speist sich aus #COVID19, der Flüchtlingskrise sowie der Machtpolitik von Putin und Erdogan. Egal, wie dramatisch die weitere Verbreitung des Virus verlaufen wird, Corona wird tiefe wirtschaftliche und gesellschaftliche Spuren hinterlassen. Die NZZ am Sonntag schrieb, wir würden die Zukunft üben. So gesehen, befinden wir uns in einem der grössten Experimente unserer jüngeren Geschichte. Wer nicht als Verkäufer in Lebensmittelgeschäften, als Ärztin, Briefträger, in der Pflege (oder anderen plötzlich systemrelevanten Berufen des Ausnahmezustands arbeitet, erfährt eine Zwangspause. Wie werden wir sie framen?

Wir könnten #COVID19 als lange herbeigesehnten Buzzer verstehen, der die Umwälzungen der letzten Jahre kurz zum Stillstand bringt. Endlich haben wir Zeit, uns mit aufgeschobenen Fragen zu beschäftigen – auf der persönlichen Ebene ebenso wie auf der unternehmensstrategischen. Im Augenblick deutet vieles darauf hin, dass Corona die Digitalisierung verstärken wird. Beispiele dafür sind die virtuelle Lehre und Zusammenarbeit, eShopping, Streaming, der Umgang mit öffentlichen Daten (oder alternativ digitale Überwachung). In diesen Tagen ändern sich unsere Gewohnheiten – und gehen vielleicht nie wieder in den alten Zustand zurück. Im Herbst könnte schon die nächste Viruswelle kommen…

#COVID19 bringt für viele von uns ganz viel Zeit zum Nachdenken. Aus der Ausnahmesituation gehen jene gestärkt hervor, welche die geschenkten Reflexionswochen nutzen. Als Einstieg findest Du hier 56 Fragen.

Illustration von Karsten Petrat


1
Entspannt Dich die #COVID19 Zwangspause?

2
Bist Du froh, dass so viele Sitzungen, Workshops und Konferenzen ausfallen? Geniesst Du es, nicht pendeln zu müssen, den Kaffee zuhause im Garten, statt in der Cafeteria zu trinken?

3
Wirst Du Dir mehr Zeit für Dich selbst nehmen? Um zu spielen? Zu schlafen? Zu lesen?

4
Wann wird der erste Corona-Koller kommen? Bist Du Dir selbst schon unangenehm? Lähmen Dich die plötzlichen Fragen?

5
Vermisst Du Deine Krawatte, das Schminken? Erleichtert es Dich, die Hände nicht mehr zu schütteln, keine Küsschen mehr vorzutäuschen?

6
Welche Arbeit fällt nun vom Tisch? – und niemand merkt es?

7
Entlastet es, nicht konsumieren, nicht shoppen zu müssen? Hast Du schon viel Geld gespart? Oder hast Du etwa hamstergekauft?

8
Wäre Negativwachstum vielleicht doch eine Option für die Zukunft?


9
Ist unsere Art zu arbeiten, nicht schrecklich veraltet?

10
Ist es noch nötig, uns täglich am selben Ort treffen? Was passiert mit den Büros, wenn wir jeden Tag an einem anderen Ort arbeiten?

11
Wenn wir uns dann treffen, sollten wir die gemeinsame Zeit nicht besser nutzen – vorbereitet erscheinen, Lust haben, uns zu sehen, uns etwas zu erzählen haben?

12
Wieviele Stunden pro Tag bist Du produktiv? (Was heisst das überhaupt und wie merkst Du es?) Wärst Du in vier Tagen produktiver? Siehe 7

13
Wann werden wir Arbeitsqualität und physische Präsenz endgültig entkoppelt haben?

14
Warum brauchten wir Corona, damit Chefinnen Home Office erlauben und Professorinnen mit digitalen Vermittlungswegen ihres Wissens experimentieren? Warum werden Schulen und Unis digital weitergeführt, nicht aber der Parlamentsbetrieb?

15
Gelingt es Dir gut zu Hause zu arbeiten – ohne kontrolliert zu werden, ohne Deadlines und Ziele? Hast Du Dein Homeoffice schon einmal missbraucht: Den Rasen gemäht, Dich selbst befriedigt, im Wald eine Stunde geschlafen?

16
Werden wir in Zukunft häufiger im Freien arbeiten – weil wir uns so mehr bewegen und sich die Viren in der Sonne weniger gut verbreiten?


17
Sollten wir viel konsequenter digitalisieren?

18
Warum werden immer noch Rechnungen, Stimmmaterial für Generalversammlungen, Lohnabrechnungen, Steuererklärungen und Amtsblätter auf Papier gedruckt?

19
Wo fassen wir Türen, Formulare und Gerätschaften an, wo schon bald kontaktlose Lösungen entstehen werden? Brauchen wir Geld, Schalter jeglicher Art, Tickets und Schlüssel noch in physischer Form?

20
Wird die Angst vor Ansteckung dazu führen, dass wir häufiger online einkaufen, arbeiten, vor dem Bildschirm Kultur geniessen, weniger in die Ferien fahren? Entdecken wir unsere kleine Welt wieder – unser Zuhause, unser Quartier, unsere Katzen?

21
Werden die Megaplattformen oder die Mini-Produzenten, die kleinen Bars, die lokalen Kleiderproduzenten von der Corona-Erfahrung profitieren? Welche Mittelgrossen stecken zwischen analogen Differenzierungs- und digitalen Netzwerkeffekten fest?

22
Werden jene Unternehmen und Branchen im Corona-Stresstest durchfallen, die in den letzten Jahren zu wenig digitalisiert haben?

23
Können wir durch mehr Digitalisierung die Umwelt und unsere Infrastruktur schonen?

24
Warum gestaltet Europa die Digitalisierung nicht aktiver und lässt sich von chinesischen und amerikanischen Einhörnern herumbefehlen?


25
Was braucht unser Planet wirklich für Innovation?

26
Ist Digitalisierung der einzig mögliche Fortschritt?

27
Braucht es neben der digitalen, eine grüne Transformation – mit einem reduzierten Ressourcenverbrauch, nachhaltigen Produkten und Unternehmen, die ihre Daten, Maschinen und Arbeitsräume teilen?

28
Stehen grüne und digitale Transformation im Einklang?

29
Welches Big Tech Unternehmen wird sich als erstes grün transformieren?

30
Oder kommt nach der digitalen die Hygiene-Transformation? Ist also Corona und gar nicht Greta die neue Disruptorin? Wer von ihnen verschwindet zuerst von der Bildoberfläche?

31
Waren es immer Hygiene-Fortschritte, welche die Städte und damit unseren Alltag erneuerten?

32
Sehen Putin, Trump, Erdogan, Sanders, Biden die drei Transformationen in ihren Zusammenhängen? Und unsere Bundesrätinnen und -räte? Und unsere Verwaltungsräte und so untervertretenen Verwaltungsrätinnen?


33
Haben wir Agilität bisher viel zu oberflächlich diskutiert?

34
Heisst Agilität nicht sofort auf Umweltveränderungen wie Corona reagieren zu können – die Arbeitsweise anzupassen, neue Produkte zu erfinden, die Kosten runterzufahren, Unternehmen situativ um 50% grösser oder kleiner machen zu können?

35
Wie stark ist Deine Firma von Corona betroffen?

36
Solltet Ihr im Sinne der Agilität sofort in den Hygienemarkt einsteigen? Siehe 31

37
Und wenn jetzt jeden Winter Corona Zeit ist?

38
Würden Rezession und starkes Wachstum viel schneller aufeinander folgen? Was bräuchte es für Lohnsysteme, um mit einer Yoyo-Wirtschaft mit riesiger Volatilität umzugehen? Gibt es plötzlich ganz neue Argumente für das Grundeinkommen?

39
Beendet #COVID19 die Konferenz-, Design Thinking- und Workshop-Inflation?

40
Was folgt auf sie? Eine Verlängerung der Regentschaft der grauen Herren? Die Generation Z? Und wie war das noch mal mit dem Teilen in Ökosystemen?


41
Wie robust sind unsere Unternehmen aufgestellt, wenn sie schon nach wenigen Wochen nach Hilfspaketen schreien?

42
Müsste nicht jedes Unternehmen ohne die Umsätze einiger Monaten überleben können? Reserven für ein ganzes mageres Jahr bei Seite gelegt haben?

43
Hat neben dem Wachstums- auch der Effizienz-Zwang zu kurzsichtigem Denken geführt? Läuft das ganze System am Zahnfleisch?

44
Wer hat das Recht, nach #COVID19 vom Staat, also vom gesparten Geld der Gemeinschaft, unterstützt zu werden? Wer hätte es besser wissen müssen? War die Frage, nicht ob, sondern wann ein Virus kommen würde?

45
Wird der Staat wieder Banken retten – oder sind sie eigentlich todgeweihte Kolosse eines vor-digitalen Zeitalters? Wer unterstützt die selbstständigen One Man Shows und Putzmänner, die Künstlerinnen, die auftragslosen Cloud-Arbeiterinnen? Müsste der Staat also gar nicht die Unternehmen unterstützen, sondern die einzelnen Menschen? Siehe 38

46
Wie sieht die animierende Fiskal- und Wirtschaftspolitik der Nationalbanken aus, wenn noch offensichtlicher wird, dass billiges Geld keine Lösung sein wird?

47
Für was sollen Unternehmen ihre Hilfspakete einsetzen? Für den Green Deal? Für eine Welle der Hygiene-Innovation?

48
Wer koordiniert die Pakete, wer evaluiert? Die Selbstorganisation?


49
Und wie verändert #COVID19 Dich?

50
Fühlt es sich befreiend an, nicht zu wissen, was als nächstes kommt?

51
Was wolltest Du schon lange erledigen, wegwerfen, löschen, nachschauen, organisieren – und hast jetzt endlich die Zeit dafür?

52
Solltest Du kündigen oder nochmals studieren? Macht es Dir wirklich Spass zu führen? Funktioniert Du ohne Führungskraft? Oder machen Sie Dir das Leben schwer?

53
Wann hast Du Dir das letzte Mal ebenso viel Zeit genommen, um Dich so gründlich über ein Thema, eine Veränderung zu informieren?

54
Wenn #COVID19 vorbei ist, in welchen Themen könntest Du Dir vorstellen, Karriere zu machen?

55
Welche Freunde durchbrechen Deine Filterbubble, versichern Dich gegen die Infodemie? Glaubst Du ihnen?

56
Wie sieht die disrupierte Version Deines Ichs aus?


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