The Leader is a DJ

Warum Führungskräfte im digitalen Zeitalter DJs sind

In immer mehr Unternehmen reift die Einsicht, dass ein digitales Zeitalter neue Idealbilder der Führung braucht. Mit einem veränderten Führungsverständnis will man nicht nur auf die Erwartungen der Generation Y an ihre Arbeitgeber und Führungskräfte eintreten, sondern auch der erhöhten Veränderungsgeschwindigkeit Rechnung tragen.

Durch die Digitalisierung verändert sich schliesslich die Rolle des Menschen im unternehmerischen Wertschöpfungsprozess. Die Symbiose von technischer und menschlicher Arbeitskraft wird zum zentralen Erfolgsfaktor. Von den Maschinen unterscheiden sich Menschen durch ihre Gefühle, ihre Ideen und ihre Fähigkeit, kritisch zu hinterfragen.

Um diese Eigenschaften der Mitarbeitenden zu nutzen, braucht es einen Wechsel von der Push- zur Pull-Führung. Das impliziert einen Abschied von der Vorstellung, dass Führungskräfte alles kontrollieren können, alles wissen und ihre Aufgabe darin besteht, Visionen und Ziele in die Organisation und die Köpfe der Mitarbeitenden zu drücken.

Doch dieser Beschrieb ist vielen zu abstrakt. Für einen erfolgreichen Wandel braucht es konkrete Metaphern, an denen sich das Change-Management – inklusive Personal- und Führungsentwicklung – ausrichten kann. Als solches Bild wird hier der DJ beziehungsweise die DJane vorgeschlagen. Was zeichnet also die Tätigkeit des DJs in Analogie zur Führungskraft in heutigen Arbeitswelten aus?

Der DJ gestaltet das Umfeld, in dem sich die Gäste entfalten.

Das Publikum setzt sich aus Stammgästen aber immer auch aus Touristen, neuen Gesichtern sowie Freunden von Stammgästen zusammen. Primäre Aufgabe des DJs ist es das Abendprogramm dramaturgisch und attraktiv zu gestalten – und dabei positiv Einfluss auf die Stimmung der Gäste zu nehmen.

Die DJane vermittelt zwischen Künstlern und Publikum.

Die erfolgreichsten DJanes spielen an ihren Partys Lieder, die sie selbst aufgenommen haben – wobei sie mit Sängerinnen, Rappern, Beatmakern und Technikern zusammenarbeiten. Der Rest der Arbeit besteht darin, passende Lieder auszuwählen. Für eine gute Party ist es unerlässlich, auf die Stimmung des Publikums einzugehen.

Der DJ ist Teil des Publikums und muss nicht immer im Mittelpunkt stehen.

Der DJ spielt ein Set von 1-2 Stunden, um danach in sein normales Leben zurückzukehren. Er macht den Platz im Rampenlicht frei und jubelt den anderen DJs zu. Vor und nach dem Auftritt vergnügt er sich in der Mitte des Publikums. Ausserhalb der Nacht agieren viele DJs als Produzenten im Hintergrund.

Die DJane spezialisiert sich.

Die erfolgreiche DJanes entwickeln einen persönlichen, unverwechselbaren Stil. Die Entwicklung dieses Stils ist nie abgeschlossen. Je eigenständiger eine DJane, desto grösser ihr Erfolg. Dabei muss sie sich aber ihrem Publikum sowie der Situation der Party anpassen. Ein Auftritt am frühen Abend verlangt ein anderes Set als eine Afterhour.

Der DJ verfolgt musikalische und technologische Trends.

DJs wissen, dass die schöpferische Kraft der Künstler unendlich ist und sich die musikalischen Gewohnheiten des Publikums ständig verändern. Das setzt einen stetigen Wandel ihrer Fähigkeiten und Tracks voraus. Ihre Neugierde lässt sie nächtelange durch neue Musik streifen. Sie wissen, dass sie durch neue DJs ersetzt werden, falls sie nicht à jour bleiben.

Führungskräfte der Zukunft sind DJs, weil sie es verstehen müssen, situativ Kontrolle abzugeben und dabei gleichzeitig ihren Mitarbeitenden den Platz im Mittelpunkt zu überlassen. Die digitale Organisation ist ein Netzwerk, das sich viel mehr durch Projekte denn durch Hierarchien strukturiert. Das setzt voraus, dass die jeweils kompetenteste und situativ passendste Person den Lead übernimmt.

Die Tätigkkeiten einer Führungskraft verändern sich mit jeder Ausgangslage. Diese umfasst nicht nicht nur die Marktlage und die Stimmung im Unternehmen sondern auch die Zusammensetzung des Teams. Kooperationen mit Externen, kürzere Verweildauern und der Abbau von Hierarchien führen dazu, dass sich Teams immer wieder neu zusammensetzen. Eine Leaderin, die in Projekt A funktioniert, kann für Projekt B völlig die falsche sein.

Es braucht deshalb eine stärkere Ausdifferenzierung der Führungsbilder und -rollen sowie die Erkenntnis, dass keine Führungskraft in allen Situationen und Projekten die richtige ist. Veraltete Führungsverständnisse sind Staus der agilen Organisation. Machtkonzentration und Wissenstresore verhindern die freie Zirkulation von Wissen und Meinungen. Das aber ist der grösste Stolpersteine auf dem Weg zu Agilität.

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