Zunächst lohnt es sich, Strategiearbeit zu definieren: Im Kern zielt die Strategiearbeit darauf ab, heutige Handlungen so zu wählen, dass sie einen höheren zukünftigen Wert schaffen. Das erfordert Weitsicht, also die Fähigkeit, vorherzusagen, welche Handlungsoptionen zu besseren Ergebnissen führen.

Die Vorstellung, eine CEO würde ein LLM fragen: „Was soll ich tun?“ ist nun aber eine Karikatur. Realistischer ist ihre Verwendung von KI, um strategische Hypothesen zu testen. Unternehmen, die am schnellsten KI schlau in ihre Entscheidungsprozesse integrieren, werden im Vorteil sein.

Die Vorzüge von KI in der Strategiearbeit

KI kann Informationen zusammenfassen und synthetisieren. Sie ergänzt das menschliche Denken, indem sie es klarer macht, emotionale und politische Verzerrungen verringert und Informationen leichter überprüfbar macht. Sie wertet Daten aus und macht dabei versteckte Muster sichtbar. Weiter können durch die Unterstützung durch KI rasch neue Ideen generiert werden. Doch diesen Vorzügen stehen gewichtige Risiken gegenüber.

Die Risiken von KI in der Strategiearbeit

  • Vergangenheitsfixierung: KI-Systeme sind rückwärtsgewandt, während Strategiearbeit vorausschauendes, kausales Denken erfordert. Bahnbrechende Innovationen und Wertschöpfung verändern die Vergangenheit und basieren nicht auf linearer Extrapolation. Gute Strategiearbeit bedingt die Fähigkeit, neue Probleme zu formulieren und sie so zu lösen, dass Wert geschaffen wird.
  • Lücken und Überzeichnung: KIs erkennen Korrelationen und Sequenzen, tun sich aber schwer mit dem kontrafaktischen Denken, um die Ursachen von Erfolg zu erkennen und in unbekannte Zukünfte zu verlängern. Bei unübersichtlichem, unvollständigem oder komplexem Kontext können LLMs durch irrelevante Details «abgelenkt» werden. Sie sind überraschend schlecht darin, fehlende Informationen zu erkennen, die für die Beantwortung von strategischen Fragen relevant wären.
  • «Tyrannei des Durchschnitts»: KI generalisiert und tendiert zur Mitte. Das funktioniert gut, wenn Homogenität oder Aggregation erwünscht sind. Es mindert aber auch die strategischen Differenzen gegenüber Wettbewerbern.

Fazit

Die Frage ist nicht, ob KI Strategiearbeit leisten kann, sondern wie und für welche Aufgaben. Unüberlegte Anwendung ist gefährlich, geschickte Anwendung kann dagegen transformativ wirken. Weiter entsteht effektive Intelligenz in Organisationen (und damit gute Strategien) aus Konflikten, nicht aus Konsens. Das wirft die Frage auf, welche Kontrollmechanismen und Kontrastmittel Unternehmen in der Strategiearbeit benötigen, um von KI nicht in die Irre geführt zu werden.

Quelle: Aaron Chatterji et al., Can AI Do Strategy, Strategy Science, März 2026