Am Wochenende bin ich auf eine spannende Studie von Diana Kozachek über die Integration von KI in die Zukunftsforschung gestossen. Sie zeigt: selbst Zukunftsexpertinnen und -experten können menschliche nicht (mehr) von maschinell generierten Szenarien unterscheiden. In ihrer Studie gibt es weitere bemerkenswerte Punkte für Zukunftsinteressierte:
Ohne Zweifel wird Gen-KI in der Zukunftsforschung und im Strategic Foresight zunehmend zum Einsatz kommen, um Szenarien zu generieren. Diese sind ein narratives Instrument, um Zukunftsvarianten sichtbar zu machen und zwischen dem Möglichen, Wahrscheinlichen und Wünschbaren zu unterscheiden.
Kozachek beobachtet, dass neuere ChatGPT-Versionen mit abnehmender «lexikalischen Vielfalt» (also einem geglätteten Wortschatz) sowie reduziertem «vernetzten Denken» einhergehen. Weiter zeichnen sich menschenformulierte Zukünfte durch grösse Gefühlsvielfalt aus. Auch das ist eine Glättung.
LLMs können zwar plausible Szenarien generieren. Aber es fehlt ihnen die «Kontexttiefe, die thematische Integration und die emotionale Feinheit von menschlichen Autoren». Als spezifisch menschliche Aufgaben bezeichnet sie die «Szenarioauswahl, die Verfeinerung der Erzählung und die ethische Reflexion». Diese Aufgaben sind «arbeitsintensiv und stark kontextabhängig».
Die kritische Auswahl der Quellen und die Transparenz über die Verfahren bleiben wie bei der Arbeit mit analogen Quellen erfolgskritisch. Zu den neu geforderten Kompetenzen der Zukunftsforschung zählt Kozacheck weiter das «schnelle Prompt Engineering», das Interpretieren der generierten Ergebnisse sowie ein «Bewusstsein für rechtliche und ethische Risiken».